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Vereinigte Staaten
Feb. 2026. Lebensmittel enthalten häufig mehrere Pestizidrückstände gleichzeitig. Daraus ergibt sich ein "Cocktail-Effekt", der die reale Exposition widerspiegelt. Um additive Effekte wissenschaftlich zu erfassen, entwickelt die EU daher stetig die Methodik der kumulativen Risikobewertung (CRA) weiter. Bis 2030 sollen die sich daraus ergebenen Bewertungen vollständig in die Regulierung integriert sein.
Wir geben Ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der EU‑ und EFSA‑Arbeiten zur Bewertung kumulativer und möglicher synergistischer Risiken durch Mehrfachrückstände von Pestiziden in Lebensmitteln. Außerdem erklären wir Ihnen, wie wir Sie mit professioneller Pestizid-Analytik bei der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen unterstützen.
Jahresberichte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und nationale Monitoringprogramme zeigen seit Jahren, dass ein relevanter Anteil der untersuchten Lebensmittelproben mehrere Pestizide gleichzeitig enthält. Die reale Ernährungsexposition ist somit eine Mehrfachexposition, die durch den Einsatz mehrerer Pestizide entsteht. Um diese Situation wissenschaftlich angemessen erfassen zu können, arbeitet die EU kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Methodik des „Cumulative Risk Assessment“ (CRA), die auf der Bewertung kumulativer Effekte basiert[1].
In der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln sowie in der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln ist explizit festgelegt, dass kumulative und synergistische Effekte zu berücksichtigen sind, sobald dafür belastbare Methoden verfügbar sind[2,3].
Synergismen entstehen dann, wenn sich verschiedene Wirkstoffe gegenseitig verstärken und gemeinsam eine stärkere Wirkung entfalten als die Summe ihrer Einzeleffekte. In ökotoxikologischen Studien wurden solche Effekte unter anderem für die Kombination von Cypermethrin mit den Fungiziden Azoxystrobin oder Prochloraz dokumentiert. Diese Kombinationen beeinflussten Bodenorganismen und ökologische Prozesse. Die Ergebnisse sind ökologisch relevant und zeigen das Potenzial verstärkter Mischungseffekte[4].
Pestizide, die denselben toxikologischen Endpunkt betreffen, können kumulativ, also additiv wirken. Die EFSA gruppiert solche Stoffe in sogenannte Cumulative Assessment Groups (CAGs), um gemeinsame Wirkungen wissenschaftlich bewertbar zu machen[5].
Seit 2021 verfolgen die Europäische Kommission und die EFSA eine gemeinsame Strategie, um das CRA vollständig in das europäische Risikobewertungssystem zu integrieren. Die EFSA hat dafür bereits mehrere umfassende Risikobewertungen bzw. CRAs durchgeführt, u. a.:
Bis 2030 sollen systematisch weitere CAGs aufgebaut werden. Diese müssen regelmäßig aktualisiert werden, um neue Expositionsdaten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu integrieren[6].
Seit dem Jahr 2025 beschreibt die EFSA für Männer und Frauen jeweils zentrale biologische Funktionen, bei denen bestimmte Pestizide zu vergleichbaren Beeinträchtigungen führen können. Dazu zählen u. a. die Sexualität, Fertilität und Schwangerschaft.
Durch die Konkretisierung entsteht eine klarere Struktur, nach der Wirkstoffe mit vergleichbaren reproduktionstoxischen Wirkungen künftig gemeinsam bewertet werden können. Dies ist insbesondere bei Mehrfachrückständen in Lebensmitteln ein wichtiger Fortschritt, um kumulative Risiken im Bereich der Reproduktion zuverlässiger abzuschätzen[7].
Einige Organisationen weisen darauf hin, dass die kumulative Risikobewertung (CRA) in der EU bislang nicht vollständig umgesetzt wurde. Angesichts der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten zur Kombination von Wirkstoffen ist eine vollständige wissenschaftliche Erfassung der Mischungsrisiken kaum realisierbar. Vor diesem Hintergrund wird die Einführung eines Mixture Assessment Factor (MAF) als ergänzender Sicherheitsansatz vorgeschlagen. So sollen potenzielle Kombinationseffekte bis zur vollständigen Implementierung der CRA-Methodik im Jahr 2030 in der Regulierung abgefangen werden[8].
Die Farm‑to‑Fork‑Strategie der EU ist Teil des "Green Deal". Sie sieht eine Reduzierung des Einsatzes und des Risikos chemischer Pestizide um 50 % zu bis zum Jahr 2030 vor. Gleichzeitig soll der integrierte Pflanzenschutz (IPM) verbindlicher angewendet werden. Während die Farm-to-Fork-Strategie die Risiken an der Quelle senken soll, liefert die CRA‑Methodik die wissenschaftliche Grundlage, um die gesundheitliche Belastung durch Mehrfachrückstände realistischer einzuschätzen.
Mit unserem kombinierten LC‑MS/MS- und GC‑MS/MS‑Multimethodenscreening decken wir für Sie über 800 Pestizide und Metabolite analytisch ab. Dadurch können Sie Mehrfachrückstände erkennen und können sich auf mögliche zukünftige Anforderungen bezüglich der EFSA-CAGs vorbereiten. Wir unterstützen Sie gerne jederzeit bei der Analyse Ihrer Produkte auf Pestizide und beraten Sie zu Ihren individuellen Fragestellungen.
Haben Sie Fragen oder können wir Sie bei der Untersuchung Ihrer Lebens- und Futtermittel unterstützen? Kontaktieren Sie uns noch heute.
[1] FoodSafety4EU - EFSA (2024). Protecting public health: understanding the importance of cumulative risk assessment of pesticides
[2] Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs
[3] Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln
[4] Beyond Pesticides (2025). Study of Biological Diversity Effects of Pesticide Mixtures Highlights Underestimated Risks to Ecosystems
[5] European Commission (online abgerufen 11.2.2026). Cumulative Risk Assessment - State of play on the assessment of risks caused by the presence of multiple pesticide residues in food
[6] European Commission (2021). EFSA-SANTE Action Plan on Cumulative Risk Assessment for pesticides residues
[7] EFSA (2025). Specific effects on the reproductive function including fertility relevant for cumulative risk assessment of pesticide residues
[8] Pesticide Action Network Europe (2021). Towards the implementation of a Mixture Assessment Factor (MAF): PAN Europe’s Position Paper
Ayman Farhod Naeem
Eurofins Dr. Specht Express Testing & Inspection GmbH