Diversität globaler Rückstandshöchstgehalte

Veröffentlichungsdatum :
Donnerstag, Juni 18, 2020
Schlagwörter :
Pestizide
Rückstände und Kontaminanten
Lebensmittelrecht
Eurofins Global Control

Rückstandshöchstgrenzen global und ihre Auswirkungen auf den internationalen Handel mit Lebens- und Futtermitteln

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Die Diversität internationaler Pestizidregularien

Juni 2020. Die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebens- und Futtermitteln sind weltweit sehr unterschiedlich reguliert, was den internationalen Handel vor zahlreiche Herausforderungen stellt. Eine neue Publikation der Eurofins in der Zeitschrift Cereal Technology (Nader, W.F., Maier, M., Miebach, M. and Linder, G.: Pesticide residue legislations challenge international trade of food and feed. Cereal Technology 2: 84-99 (2020)) beschreibt diese Problematik und nimmt auf die gravierenden Unterschiede bei den internationalen Rückstandshöchstgrenzen sowie auf bestimmte chemische Verbindungen in Lebensmitteln Bezug, die als Pestizidrückstände gewertet werden, aber nicht zwingend solche sind. In vielen Fällen sind sie natürlichen Ursprungs oder entstehen während der Prozessierung von Lebensmitteln durch natürliche chemische Reaktionen. Beispiele sind Bromid in Paranüssen, Phthalimid in Kräutern und Gewürzen, Mepiquat in Röstkaffee und Indol-3-essigsäure in Getreidekörnern. Chloriertes Prozesswasser führt in der Lebensmittelproduktion zu Kontaminationen mit Chlorat.

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Rückstände von Pestiziden in Bioprodukten

Synthetische Pflanzenschutzmittel sind im Bioanbau nicht erlaubt und somit sollten auch keine Rückstände in Bioprodukten auftreten. Allerdings kommen Pestizide durch den häufigen Einsatz mittlerweile fast ubiquitär vor und können durch Kreuzkontaminationen auch in Bioprodukte eingetragen werden. Rückstände im Spurenbereich um 0,01 mg/kg werden in den EU Mitgliedsstaaten unterschiedlich bewertet, da es keine einheitlichen spezifischen Höchstgehalte für Bioprodukte auf EU-Ebene gibt. Während in einigen Ländern der Orientierungswert für Pestizide vom BNN (Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V.) von 0,01 mg/kg für bis zu zwei Pestizide als akzeptabel gilt, werden in anderen Mitgliedsstaaten wie den Niederlanden selbst Spuren unter 0,01 mg/kg als Pestizidanwendung gewertet und die Produkte beanstandet. Je nach Land werden die Bioimporteure entsprechend unterschiedlich behandelt.

Rückstände, Verunreinigungen oder Naturstoffe?

In der EU Rückstandshöchstgehaltsverordnung (EU VO (EC) Nr. 396/2005) sind zahlreiche Substanzen gelistet, welche als Rückstände von Pestiziden oder als Metaboliten derselben gewertet werden. Indol-3-essigsäure ist ein natürliches Pflanzenhormon, ein Auxin. In synthetischer Form wird es als Verwurzelungshormon eingesetzt, ist aber in der EU nicht zugelassen. Der Rückstandshöchstgehalt liegt bei 0,1 mg/kg. Getreidesamen können aber sehr hohe Konzentrationen des Hormons natürlich enthalten, bei Reis über 1 mg/kg und bei Mais sogar über 70 mg/kg. Getreidekörner entsprechen somit in der Natur nicht diesem Höchstgehalt.

Phosphonsäure oder Phosphonat wird in der EU Verordnung als Rückstand aus der Anwendung der Pflanzenstärkungsmittel Kalium- und Dinatriumphosphonat bzw. Metabolit des Fungizids Fosetyl-Aluminium gewertet und ist mit Rückstandshöchstgehalten zwischen 2 mg/kg (z.B. in Getreiden und Hülsenfrüchten) bis zu 500 mg/kg bei Nüssen gelistet. Bei Bioprodukten sind gemäß BNN bereits Konzentrationen ab 0,05 mg/kg zu überprüfen, ob eine landwirtschaftliche Anwendung stattgefunden hat, die nicht mit der EU Ökoverordnung vereinbar ist. Neuere Untersuchungen aus den USA belegen, dass Phosphonsäure natürlich in der Umwelt in signifikanten Konzentrationen auftritt und von Mikroorganismen in einem biogeochemischen Kreislauf durch Reduktion von Phosphat gebildet wird. Pflanzen nehmen Phosphonat effizient auf und akkumulieren es. Phosphonat in Lebensmitteln muss somit nicht zwingend ein Pestizidrückstand sein.

Weitere ähnliche Beispiele werden in der durch unabhängige Gutachter geprüften und freigegebenen Veröffentlichung (Peer Review) aufgezeigt und durch wissenschaftliche Primärliteratur belegt.

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Geschrieben von:

Dr Werner Nader
Eurofins Global Control

Lesen Sie auch: 

"Pesticide residue legislations challenge international trade of food and feed"*
Der vollständige Artikel erschien in der Zeitschrift Cereal Technology 2: 84-99 (2020). Die Publikation ist hier für Sie zum kostenfreien Download erhältlich.

*Autoren: Werner Nader, Michelle Maier, Marco Miebach und Gabriel Linder